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22.03.2018, 09:00 Uhr | Schifferstadter Tagblatt, Inge Schade

„Wir leben in einer Zeit der organisierten Unordnung im Nahen Osten“

CDU Frühlingsempfang: Dr. Johannes Gerster über die Friedenschancen im israelisch-palästinensischen Konflikt

Zum fünften Mal in Folge hatte der CDU-Ortsverband zu einem Frühlingsempfang in das „Haus der Familie“ der AGFJ (Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Kindern und Jugendlichen) eingeladen. „Unser Empfang soll neben der Tagespolitik auch ein Schwerpunktthema haben“, meinte 1. Vorsitzender Andreas May am frühen Sonntagabend in seiner Begrüßung. 

Als Gastredner hatte der CDU-Ortsverband Dr. Johannes Gerster, einen profilierten Kenner der israelischen Wirklichkeit im Konflikt mit den Palästinensern, gewinnen können
Ein großes Thema sei das Förderprojekt „Soziale Stadt“, das seit zwei Jahren angegangen werden könne. Doch bis auf die Vorstellung der Projekt- und Quartiermanagerin sei bisher noch nichts geschehen. Auch anderen Maßnahmen dieses Städtebauförderprogramm, wie Umgestaltung Kreuzplatz, Bahnhofvorplatz, Rehbach-Aufwertung oder das Vorantreiben der Unterführung in der Iggelheimer Straße kämen nicht in Schwung. „Wir als CDU wollen, dass der Baubeginn für die Unterführung noch vor 2020 angeschoben wird, um diesen Gefahrenpunkt zu entschärfen“, hob er hervor.

Wie man einen kommunalen Haushalt ausgleichen könne, zeige derzeit Landrat Clemens Körner. Es stelle sich nun die Frage, weshalb dies in Schifferstadt nicht möglich sei, obwohl die Stadt auf einen Schuldenstand von 28 Millionen Euro zugehe. Er bemängelte einen fehlenden Gestaltungs- und Konsolidierungswillen sowie ein Personalbedarfskonzept. Die CDU werde sich deshalb mit einem motivierten Team für diese genannten und noch weiteren Themen einsetzen.

Als Gastredner hatte der CDU-Ortsverband Dr. Johannes Gerster, einen profilierten Kenner der israelischen Wirklichkeit im Konflikt mit den Palästinensern, gewinnen können. Dr. Johannes Gerster war nach seiner langen politischen Laufbahn als Parlamentarier neun Jahre Leiter der KonradAdenauer-Stiftung und ist seit 2007 Vorsitzender des Kuratoriums der Israelstiftung in Deutschland. „Pulverfass Nahost – Friedenschancen im israelisch-palästinensischen Konflikt?“ war sein Vortrag überschrieben.

„Ein paar Stichpunkte“ sagte er, „könne er mit dem Vortrag setzen. Das komplexe Thema und die zeitliche Vorgabe lasse nichts anderes zu. Doch er verstand es vortrefflich, mit seinem tiefgreifenden Sachwissen die Zuhörer mit der unvergleichlichen Art seines Vortrags und der Vielfalt der dargebotenen Perspektiven zu fesseln. Dazu gab er zunächst einen geschichtlichen Rückblick und erinnerte daran, dass Palästina im Jahre 1948 in zwei unabhängige Staaten geteilt wurde: in einen arabischen und einen jüdischen Staat, was von arabischer Seite jedoch abgelehnt wurde. „Es war der Beginn eines Konfliktes, den wir heute noch beklagen“, bedauerte er. Denn seit der damit verbundenen Gründung des Staates Israel wiederholten sich die Konflikte im Nahen Osten in regelmäßigen Abständen. Land, Grenzen, Siedlungen: Die Liste der Streitthemen zwischen Israelis und Palästinensern sei lang. Die damit verbundene Siedlungspolitik sei allerdings der „größte Fehler“, den Israel je begangen habe. Deshalb müsse es die besetzten Gebiete zurückgeben, zumal Israel mitten im Pulverfass Nahost liege, das von islamistischem Terror, Gewalt und Krieg überzogen sei. Doch Israel habe trotz allem in den letzten 70 Jahren eine gigantische Entwicklung genommen, So sei die Bevölkerung von 370 000 auf 7,8 Millionen gestiegen, zu einem hochentwickelten Industriestaat geworden und der einzige Rechtsstaat im Nahost.

Doch im Laufe der Jahre sei die Zeit der regionalen Konflikte angebrochen, Syrien sei das beste Beispiel. „Wir leben in einer Zeit der organisierten Unordnung im Nahen Osten“, so Gerster. Zwischen Israel und seinen Nachbarländer herrsche ein Schwebezustand, da es keine festen Grenzen in Israel gäbe Der Hauptgrund für den ausbleibenden Frieden sei in der Tat da-mit begründet, dass die arabische Welt bis heute nicht bereit sei, das Existenzrecht Israels anzuerkennen – bis auf die zwei Ausnahmen Ägypten und Jordanien. Dazu komme, dass in keiner Krisenregion der Welt so einseitig und unfair gegen eine Konfliktseite geurteilt und gehetzt werde wie in der israelisch-palästinensischen Auseinandersetzung. Und dies, obwohl Israel und Europa durch die gleichen Grundwerte und Grundüberzeugungen miteinander verwoben seien. Vielmehr solle die westliche Welt und die EU fairer und neutraler auftreten. Auch dürfe sich kein Dritter in diesen Konflikt einmischen. Es müsse eine Vereinbarung über Grenzen und Korridore getroffen werden, beiden Seiten von ihren maximalen Forderungen abrücken und Zugeständnisse machen. „Ich bin der Überzeugung, dass die Mehrheit der Israelis und Palästinenser einen Ausgleich wollen auf der Basis fairer Verhandlungen und freier Staaten“, so der Nahost-Kenner.

Für eine schwungvolle musikalische Umrahmung des Frühlingsempfangs sorgte das Jazz-Duo Daniel Steigleder (Saxophon) und Oliver Jochim (Gitarre) mit feinster ausgewählter Jazz-Musik.